Studienwahl und Traumjobs

„Auf einmal wurden wir alle nervös“

 

Wie geht das Leben nach dem Studium weiter? Alice Greschkow nennt sich selbst  Arbeitslose Akademikerin und bloggt über ihr Leben als Jobsuchende. Sie spricht vier Sprachen, hat Praktika bei renommierten Arbeitgebern gemacht und einen Elite-Master absolviert. Einen Job hat sie bislang trotzdem nicht gefunden. Wieso eigentlich nicht? Und warum schreibt sie darüber?

 

Alice, was macht man eigentlich den ganzen Tag, wenn man arbeitslos ist?

Alice Greschkow: Ich lese hauptsächlich Romane und besuche Freunde. Und ich schlafe aus. Ein paar Wochen lang ist das auch ganz entspannend, aber mit der Zeit wird es nervig. Außerdem musste ich aus Geldmangel zurück zu meinen Eltern ziehen.

 

Du schreibst über dieses neue Leben als Arbeitslose Akademikerin. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Als ich mein letztes Masterjahr begonnen habe, hat sich bei mir und meinen Kommilitonen ein ziemlicher Druck aufgebaut. Auf einmal wurden wir alle nervös und ängstlich, weil keiner wusste, wie es nach dem Studium mit uns weitergeht. Ich hatte aber das Gefühl, dass man über dieses Thema nicht so offen mit anderen Menschen reden kann, weil wir uns in Deutschland sehr stark über unsere Arbeit identifizieren. Und ich dachte: Eigentlich ist das schade. Eigentlich müssten wir offen über die Arbeitslosigkeit sprechen, weil sie so viele Menschen betrifft. Deshalb mache ich das jetzt auch.

 

Kunstpädagogik oder freie Kunst? Sicheres Einkommen oder mehr Spaß im Job? Für was sich Luca entschieden hat, erzählt er bei „HEY UNI“.

 


 
Was kriegst du für Rückmeldungen?

Viele Leute haben mir privat geschrieben, dass sie ähnliche Gedanken und Sorgen haben wie ich. Unter den Texten gab es manchmal auch ganz spannende Diskussionen. Einige ältere Leute meinten, unsere Generation müsse sich mal ein bisschen zusammenreißen.

 

Was hast du studiert und wie lange bist du jetzt arbeitslos?

Ich habe Politik- und Kommunikationswissenschaften im Bachelor studiert und dann einen internationalen Master in Global Studies gemacht. Jetzt bin ich seit zwei Monaten arbeitslos, also seitdem ich die Masterarbeit abgegeben habe.

 

Zwei Monate klingt aber jetzt erst mal nicht so lange.

Die Leute vom Jobcenter haben zu mir gesagt, dass vier bis sechs Monate Arbeitssuche nach dem Studium völlig normal sind. Aber obwohl es so normal ist, fühlt es sich ziemlich frustrierend an. Ich habe es mir zu Beginn des Studiums viel einfacher vorgestellt, einen Job zu finden.

 

Pratheek verlässt sich nicht nur auf sein Studium. Der VWL-Student macht lieber seine eigene Bar auf. Dabei ist sein Traumjob ein ganz anderer: Pratheek will Chef der Europäischen Zentralbank werden.

 


 
Dein Master ist sehr renommiert, es gab 80 Studienplätze für 1000 Bewerber, du konntest dich gegen sehr viele andere durchsetzen. Was ist so schwierig an der jetzigen Jobsuche?

Bislang hatte ich vier Vorstellungsgespräche. Bei fast allen Gesprächen war die erste Frage: „Was haben Sie denn bisher schon gemacht?“ Das heißt, meine Ausbildung an der Uni finden die Arbeitgeber gar nicht so wichtig, die interessieren sich in erster Linie für die Praxiserfahrung. Man steht also da mit seinem Masterabschluss und fragt sich: Was kann ich eigentlich? Ich kann, wie es immer so schön heißt, „komplexe Sachverhalte analysieren.“ Nur bringt mir das gerade nichts.

 

Wie viele Bewerbungen hast du bisher verschickt?

Ich habe 50 Bewerbungen verschickt. Etwa ein Drittel der Arbeitgeber haben sich zurückgemeldet, von den übrigen habe ich gar nichts gehört.

 

Was wäre dein Traumjob?

Ich würde gerne im Bereich der „Politischen Analyse“ arbeiten. Ich finde Deutschland gut, aber ich finde, einige Dinge können noch besser werden und dabei würde ich gerne helfen.

 

Lieber das studieren, was Spaß macht oder das, was mehr Geld bringt? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, finden auch die Studenten in München.

 


 
Wie sieht es denn bei deinen Kommilitonen aus? Haben die einen Job gefunden?

Nee, einen richtigen Job hat niemand. Ein paar Leute kellern oder machen irgendwelche Wohltätigkeitsgeschichten im Ausland. Deshalb finde ich auch dieses Generation-Y-Gerede von den Medien immer so anstrengend. Du kannst nur Ansprüche haben, wenn du eine gewisse Sicherheit hast und in der Realität haben die viele junge Menschen eben nicht.

 

Was glaubst, woran liegen deine Probleme bei der Jobsuche? War es ein Fehler, etwas Geistes- bzw. Sozialwissenschaftliches zu studieren?

Klar, als Ingenieurin oder ITlerin würde ich vermutlich schneller einen Job finden. Aber ich bereue mein Studium überhaupt nicht. Ich habe in unterschiedlichen Ländern studiert und viele tolle Erfahrungen gesammelt. Ich weiß, dass ich in absehbarer Zeit nicht reich werde, aber das war auch nie mein Ziel. Ich glaube, das Problem ist eher, dass wir heute sehr beschleunigt studieren, ohne überdenken zu können, ob das Studium wirklich zu einem passt und was danach kommt. Und dann bist du plötzlich fertig und erlebst den Moment des großen Nichts.

 

Wie hast du dich seit deinem Studienende verändert?

Ich glaube, ich bin realistischer geworden und strategischer. Außerdem bin ich offener für Hilfe und Tipps von anderen geworden. Am Anfang deines Studiums bist du so übermotiviert und glaubst, du kannst alles schaffen. Jetzt bin ich auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

 

Gibt es etwas, was du anders machen würdest, wenn du noch mal studieren würdest?

Ich glaube, ich würde leichter einen Job finden, wenn ich mir neben dem Masterstudiengang noch einen Studentenjob gesucht hätte. Drei Praktika reichen anscheinend nicht aus.

 

Wenn du einen Job findest, ist deine Kolumne dann vorbei?

Ich habe noch ein paar Sachen, die ich unbedingt zu dem Thema posten will. Auch wenn ich eine Arbeit gefunden habe. Aber langfristig: Ja.

 

Veronica finanziert sich ihr Medizinstudium mit Modeljobs. Und das passt manchmal gar nicht zusammen:

 


 
Für viele ist Modeln ein Traumjob, für Veronica nur eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen.

 

 

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