Hotel Mama vs. WG

Was für ein Wohn-Typ bist du?

 

Unileben heißt auch: Entscheidungen treffen. Zum Beispiel für eine bestimmte Wohnform. Aber was tun, wenn man keine Ahnung hat, ob man WG-tauglich ist oder lieber bei den Eltern wohnen bleiben sollte? Unser Rat: Einfach diesen Test durchspielen.

 

Eine der wichtigsten Fragen im Studentenleben ist die Frage: Wie wohne ich? Die Antwort darauf kann darüber entscheiden, ob dein Studium eher ein Partymarathon wird oder ob das Lernen im Mittelpunkt steht. Wir haben Studenten auf der Straße gefragt: Lieber Hotel Mama oder doch WG?

 


 
1. All deine Unterhosen sind schmutzig. Was tust du?

In Mamas Wäschekorb schmeißen (A)

Umdrehen (B)

Ähh, waschen, was sonst? (C)

 

2. Was brauchst du zum Lernen?
Zeitdruck (B)

Sozialen Druck (C)
Kekse und selbst gebackenen Kuchen (A)

 

3. Wann kommst du nachts heim?
Kommt drauf an, was ich mit meinem Papa abgemacht habe (A)

Gar nicht. (C)

20.15 Uhr (B)

 

4. Wie viele Menschen kannst du um dich herum ertragen, ohne zum Arschloch zu mutieren?

Zwei, aber nur, wenn sie mit mir verwandt sind (A)
Eigentlich finde ich mich am nettesten, wenn ich mir alleine bin (B)
Arschloch ist das Gegenteil meines zweiten Vornamens (C)

 

5. Bei wem wäre es noch am ehesten ok, ihnen beim Sex zuzuhören?

Eltern (A)

Mitbewohnern (C)

Nachbarn (B)

 

6. Wie viel Geld hast du gespart?

Minus zehn Euro. (A)

Meine Ersparnisse habe ich zum Großteil in vielversprechende Immobilien gesteckt (B)

Genug, um morgen feiern zu gehen (C)

 

7. Wie stark ist die Bindung zu deinen Eltern?

Mama, kannst du die Frage vielleicht kurz beantworten, ich kann gerade nicht?! (A)
Seit wir eine Familien-Whatsapp-Gruppe haben fühle ich mich von ihnen verfolgt (C)
Sie behaupten immer, ich melde mich nur, wenn ich etwas von ihnen will (B)

 

8. Wer räumt dein Zimmer auf?

Niemand. (C)

Ich. (B)

Meine Eltern. (A)

 

9. Worauf kannst du am ehesten verzichten?
Sex (A)

Sauberkeit (C)

Gespräche (B)

 

10. Wie reagierst du in Streitsituationen?

Ich verkrümel mich (B)

Ich versuche, ruhig zu bleiben und zu schlichten (C)

Ich tobe und heule (A)

 

 

Und, welcher Wohn-Typ bist du? Auflösung gibt’s hier. Einfach zählen, wie oft du dich für A, B oder C entschieden hast und schon weißt du, was die perfekte Wohnung für dich ist.

 

Typ A

Hotel Mama

Hotel MamaDu bist am besten da aufgehoben, wo du umsorgt, bekocht, beputzt und bevormundet wirst und dich auch mal daneben benehmen darfst: Bei deinen Eltern. Auch wenn es manchmal nervt, wenn sie wissen wollen, wann du heimkommst, ob du mitisst und wie deine Klausuren laufen: Du findest es schön, noch ein bisschen Nestwärme zu genießen, bevor du endgültig die Erwachsenenwelt eroberst. Also bleib noch eine Weile daheim leben. Das ist die billigste und bequemste Variante für das Studentenleben.

 

Typ B

Egobude 

Ego-BudeDu willst der alleinige Bestimmer in deinem Leben sein. Maximale Freiheit findest du nur in einer eigenen Wohnung. Die ist zwar so teuer, dass du einen eigenen Nebenjob nur für die Miete brauchst, dafür musst du dich weder mit nörgelnden Eltern noch mit unordentlichen Mitbewohnern herumschlagen. Du musst niemanden die dreckigen Teller hinterher räumen und wenn du keine Lust hast aufzustehen, bleibst du einfach den ganzen Tag im Bett liegen. Falls du dich doch mal einsam fühlst, lädst du einfach

spontan so viele Leute ein, wie du Bock drauf. Ist ja schließlich

dein Reich.

 

Typ C

WG-Fan

WG-FanHeimkommen und alles ist still? So willst du dein Studentenleben nicht verbringen. Auf Mama und Papa hast du auch nicht mehr so viel Bock, also bist du in einer WG gut aufgehoben. Du verfügst über eine gewisse Toleranz, was Unordnung und Lärm angeht, wobei es natürlich auch sehr wohl geordnete, seriöse WGs gibt. Du hast zwar nicht so viel Platz, teilst deine Privatsphäre mit bislang fremden Menschen und musst morgens vorm Bad auch mal 30 Minuten warten, weil dein Mitbewohner sich die Haare noch

schön macht. Dafür hast du ab Einzug ein wahrscheinlich

spaßigeres, wilderes Leben.

 
Pratheek ist eher Typ „Hotel Mama“. Fabienne wohnt weit weg zu Hause und genießt ihr Leben in ihrer Multi-Kulti-WG. Ihre Mitbewohner sind ihre Ersatz-Familie.

 


 
Linktipps

PULS im TV: Alternative Wohnformen – Wohnen im Finanzamt

PULS, Die Frage: Warum ist Wohnen so teuer?

Campus Magazin: Dossier „Wohnen als Student“

Campus Magazin: Wie wohnst du?

Zeitjung: Freiwillig ein Jahr obdachlos…

Umzug!: Kaff oder Karriere? Kunst oder Liebe?

PULS: Stress mit den Mitbewohnern – Die fünf größten Fehler im WG-Leben

Campus Magazin: Wenn der Mitbewohner um fünf Uhr morgens putzt – Unterwegs mit dem WG-Coach

Campus Magazin: Was bringt das Leben in einer Verbindung?

Zeitjung: Kein Geld und teure Mieten – Student baut sich sein Mini-Haus

Zeitjung: Die 11 schrecklichsten WG-Konstellationen

Vegan an der Uni

„Veganes Essen ist in der Regel ein suppiger Eintopf“

 

Hey Uni-Student Luca ernährt sich vegan und ist in seiner ersten Uniwoche ziemlich abgeschreckt von der Mensa. Viel Fleisch, kaum Alternativen. Dabei sind viele deutsche Unis gerade dabei, ihr Angebot umzustellen.

 

„Gerichte mit Fleisch sind der Standard und das vegane Essen besteht in der Regel aus irgendeiner Form von suppigem Eintopf“, findet Kunstpädagogik-Student Luca.  „Leider merkt man, dass die, die das vegane Essen machen, nicht viel Ahnung von veganem Essen haben.“
 

 

Rieke Petter von der Albert-Schweitzer-Stiftung kennt solche und ähnliche Beschwerden von veganen oder vegetarischen Studierenden. Die Stiftung setzt sich gegen Massentierhaltung ein und unterstützt Mensen dabei, tierfreundlicher zu werden. Inzwischen arbeitet sie mit mehr als 40 deutschen Studentenwerken zusammen. Denn die merken, dass immer mehr ihrer Kunden sich für fleischfreie Ernährung interessieren. „Laut einer Studie der Uni Jena sind Vegetarier häufig weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und leben in der Großstadt. Studierende sind überdurchschnittlich offen für Tierschutz und Tierrechtsthemen“, erklärt Rieke Petter. Dass die Mensen darauf reagieren lässt sich auch daran erkennen, dass inzwischen über 100 deutsche Mensen keine Eier oder Eiprodukte mehr von Hennen in Käfighaltung beziehen.

Problem für die Studentenwerke: Entgegen anders lautender Mythen ist veganes Essen für die Mensen in der Regel teurer als Studentenfutter aus Fleisch oder Milchprodukten. Das liegt daran, dass vegane Fleischersatzprodukte häufig mehr kosten als die tierischen Originale. Tofu, Seitan, Falafel und Gerichte mit viel frischem Gemüse gehören zu den Mensa-Mahlzeiten aus der höchsten Preiskategorie.

Auch Luca macht im Alltag die Erfahrung, dass tierfrei nicht preiswert bedeutet:  „Vegan leben ist ein gewisses Privileg, weil sich nicht jeder Tofu leisten kann. Ich hätte auch keine Lust, mich nur von Kartoffeln und Nudeln zu ernähren.“ Im Gegensatz zu Sojaprodukten werden Fleisch- und Milchindustrie in Deutschland stark subventioniert. Luca empfiehlt studentischen Veganern Gemüseküche und Reispfannen, die Albert-Schweitzer-Stiftung rät in ihrem Vegan-Leitfaden für Mensen zu Gerichten mit texturiertem Sojaprotein wie zum Beispiel Soja-Bolognese oder -Geschnetzeltes.

Luca bekocht sich mittlerweile oft selbst, am Anfang seiner veganen Ernährung war er aber relativ ratlos: „Unsere Gesellschaft isst immer schon Fleisch, deshalb kennt auch jeder Zubereitungsarten für Fleisch, aber wie man mit Tofu umgeht, wissen die wenigsten.“ Das gilt auch für die Mensa-Köche, weswegen die Albert-Schweitzer-Stiftung inzwischen Kochschulungen für die Studentenwerke anbietet. Luca behilft sich mit Rezepten aus Facebookgruppen  und aus dem Blog „Veganguerilla“.

 

Wer bei veganem Essen immer nur an Salat denkt, liegt nämlich definitiv falsch. Wir haben euch die besten Rezepte von „Veganguerilla“ zusammengestellt, mit denen ihr lecker durch den Tag kommt.

 

 

Es gibt aber natürlich viele Studenten, die gerne Fleisch und tierische Produkte konsumieren. Dementsprechend gab es auch einige Beschwerden, als die Mensen in Deutschland vor ein paar Jahren begannen, „Veggie Days“ einzuführen, also spezielle Tage an denen alle Gerichte vegan oder vegetarisch zubereitet wurden.

„Das Konzept des Veggie Days beinhaltet das Problem, dass sich die Studierenden bevormundet fühlen, wenn man ihnen ein veganes Menü vorsetzt und keine Wahlmöglichkeiten lässt“, so Petter. Also versuchen die Studentenwerke jetzt eher, die Mensa-Gänger frei wählen zu lassen, indem sie regelmäßig vegane und vegetarische Gerichte anbieten, die Fleischgerichte aber nicht von der Karte streichen. Auch Luca hält wenig davon, andere zum veganen Leben zu zwingen. „Als ich Veganer wurde, habe ich am Anfang eine militante Phase durchgemacht und es zum Beispiel abfällig kommentiert, wenn Leute Fleisch gegessen haben. Heute ist das anders. Mittlerweile rede ich nicht ständig darüber, sondern esse automatisch vegan, ohne viel darüber nachzudenken.“

 

Die Mensen an den Unis sind bei Studenten nicht sonderlich beliebt, egal, ob sie Fleisch essen oder nicht. Für Veganer und Vegetarier wirds besonders ärgerlich. Sie können oft nur die Beilagen essen.
 

 
In Großstädten ist die Chance auf veganes Essen übrigens größer als in kleineren Unistädten. Manche Studentenwerke haben auch eigene vegetarische Mensen, so gibt es in Berlin zum Beispiel das „Veggie Nº 1“ oder in Nürnberg die „St. Paul Veggie Zone“, die im vergangenen Jahr von der Organisation PETA zur veganfreundlichsten Mensa Deutschlands gewählt wurde. Wenn es gut läuft für die Veganer in  deutschen Mensen, landen Gerichte wie „Gebratener Sellerie mit Zimt auf gekräuterten Steinchampignons im Basmati-Reisrand“ oder „Möhren-Curry auf grünem Zuckerschotenpüree mit Sesam“ auf ihren Tellern. Aber es geht auch ein paar Nummern einfacher: Zu den beliebtesten veganen Gerichten unter Studenten gehören laut der Umfrage unter den Studentenwerken Sojabolognese und Chili sin Carne.
Solange solche Gerichte noch nicht flächendeckend angeboten werden, gibt die Albert-Schweitzer-Stiftung weiter Kochkurse für Mensa-Köche. Und Luca bekocht sich selbst. Außer, wenn er zu spät dran ist, dann huscht er schnell im Falafel-Laden vorbei.

 

Linktipps

PULS: Deutschlands veganste Mensa

Kontrovers: Überproduktion – Fleisch für die Tonne

PULS: Fleischatlas 2014 – Leben um zu sterben

Quer: Beckstage – „Ich find Billigfleisch super“

PULS: Ernährung in der Zukunft

Campus Magazin: Bloß kein Mangel – Ernährungstipps für Veganer

Zeitjung: Das Studium und der Kampf mit den Kilos

Campus Magazin: Campus Cooking – Wenn der Starkoch in der Uni auftischt

Hey Uni – Willkommen in der Realität

Alles neu, alles anderes. Alles Uni.

 

Die erste Zeit an der Uni ist wie die Suche nach dem Passierschein 38a bei Asterix und Obelix. Wie erleben Erstsemester den Realitätsschock?

 

Das Wintersemester hat gerade begonnen und mit ihm viele Erstsemester. Die Doku-Serie „Hey Uni“ begleitet ab jetzt die Studenten Veronica, Fabienne, Pratheek, Luca und Elena dabei, wie sie mit dem Start in ihr neues Leben klar kommen.

 

Erster Uni-Tag: Kunst-Pädagoge Luca sucht. Und sucht. Und sucht. Nach dem richtigen Raum, in dem sein erstes Seminar stattfindet. Verwirrung ist im Uni-Alltag normal, vor allem in den ersten paar Wochen. Denn mal ehrlich: Das System Universität ist an vielen Stellen alles andere als intuitiv. Die Uni hat ihre eigene Sprache, ihre eigenen bizarren Regeln und Macken.

 

Räume nicht finden, über die Mensa schimpfen, neue Freunde treffen, am System verzweifeln. Wir wollten von älteren Studenten wissen, an was sie sich aus ihrer ersten Zeit an der Uni erinnern. Wie hart war der Realitätsschock?

 


 
In der Theorie klingt alles ziemlich einfach und ziemlich toll: Endlich nicht mehr zu Schule gehen, Boss des eigenen Lebens sein, die Sachen machen, auf die man wirklich Bock hat. Da kommt sie endlich, die große Freiheit. Hey Uni.

 

Dann die Realität. Der Dozent in der Einführungsveranstaltung ist ein verschlafener Opa, der keine Ahnung von Pädagogik hat. Das Unigebäude gleicht einem Labyrinth. Die anderen Studenten sind nett, aber irgendwie vermisst du auch Philipp und Sarah, mit denen du in der Schule immer abgehangen hast. Und warum schließt dein Mitbewohner sich ständig in seinem Zimmer ein? Du musst tausend verwirrende Formulare ausfüllen, die Mitarbeiter des Prüfungsamts sprechen eine Sprache, die du nicht verstehst und der vermeintliche Sinn deines neuen Lebens wird in einer sehr speziellen Einheit gezählt: Credit Points. Und du selbst bist jetzt ein „Ersti“, was irgendwie nach Heiteitei klingt. Eigentlich schwankst du die ganze Zeit nur noch zwischen „Fuck“ und „Yeah“.

 

Luca findet seinen Seminarraum nicht. Elena merkt, dass Mathe im Studium ziemlich anspruchsvoll ist. Und Fabienne verliert schon mal den Überblick über ihre WG-Mitbewohner. Willkommen im Leben eines Erstsemesters!

 


 
Nicht nur deutsche Erstsemester sind vom hiesigen System Uni oft nachhaltig verwirrt: Vor ein paar Wochen schrieb der finnische Student Juuso Nisula einen viel diskutierten Blogartikel über sein Auslandssemester an der Uni Köln. Er freute sich auf Karneval, Salatbuffets in der Mensa und eine nette Atmosphäre. Dann kam der Studienbeginn. Juusos persönliche Hölle.

Die Zeit an der deutschen Uni beeindruckte ihn nachhaltig so negativ, dass er in seinem Blogartikel acht Gründe aufzählt, warum man auf keinen Fall in Deutschland studieren sollte. Unter anderem kritisiert er das Uni-Ausweissystem (wozu eine praktische Chip-Karte, wenn man auch zehn verschiedene Ausweise aus Papier haben kann?), schlecht funktionierende Online-Programme und das Prüfungsamt, das ihn an das kommunistische System Chinas erinnert und das er am liebsten gleich ganz abschaffen würde. Ob die Studenten aus „Hey Uni“ ähnliche Erfahrungen gemacht haben?

 

 

Wie es den anderen Hey-Uni-Studenten in ihrer Anfangszeit ergeht, könnt ihr in den nächsten Monaten hier bei „Hey Uni“ miterleben. Die erste Folge gibt’s am 28. Oktober online und am 29. Oktober in ARD-Alpha.

 

Linktipps

Campus Magazin: Kochen und Kennenlernen – Neue Stadt, neue Uni, neue Freunde

PULS: How to Erstsemester – So kommt ihr durch den Uni-Dschungel

Campus Magazin: Semesterbeginn – Tipps für einen guten Unistart

Campus Magazin: Schnupperstudium – Uniluft auf Probe

PULS: Tinder oder Kekse – Uni-App gegen Ablenkung

PULS: Neu in der Stadt – Diese Apps helfen dir anzukommen

Zeitjung: 30 Momente, die du in der Uni erlebt haben solltest

 

Studienwahl und Traumjobs

„Auf einmal wurden wir alle nervös“

 

Wie geht das Leben nach dem Studium weiter? Alice Greschkow nennt sich selbst  Arbeitslose Akademikerin und bloggt über ihr Leben als Jobsuchende. Sie spricht vier Sprachen, hat Praktika bei renommierten Arbeitgebern gemacht und einen Elite-Master absolviert. Einen Job hat sie bislang trotzdem nicht gefunden. Wieso eigentlich nicht? Und warum schreibt sie darüber?

 

Alice, was macht man eigentlich den ganzen Tag, wenn man arbeitslos ist?

Alice Greschkow: Ich lese hauptsächlich Romane und besuche Freunde. Und ich schlafe aus. Ein paar Wochen lang ist das auch ganz entspannend, aber mit der Zeit wird es nervig. Außerdem musste ich aus Geldmangel zurück zu meinen Eltern ziehen.

 

Du schreibst über dieses neue Leben als Arbeitslose Akademikerin. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Als ich mein letztes Masterjahr begonnen habe, hat sich bei mir und meinen Kommilitonen ein ziemlicher Druck aufgebaut. Auf einmal wurden wir alle nervös und ängstlich, weil keiner wusste, wie es nach dem Studium mit uns weitergeht. Ich hatte aber das Gefühl, dass man über dieses Thema nicht so offen mit anderen Menschen reden kann, weil wir uns in Deutschland sehr stark über unsere Arbeit identifizieren. Und ich dachte: Eigentlich ist das schade. Eigentlich müssten wir offen über die Arbeitslosigkeit sprechen, weil sie so viele Menschen betrifft. Deshalb mache ich das jetzt auch.

 

Kunstpädagogik oder freie Kunst? Sicheres Einkommen oder mehr Spaß im Job? Für was sich Luca entschieden hat, erzählt er bei „HEY UNI“.

 


 
Was kriegst du für Rückmeldungen?

Viele Leute haben mir privat geschrieben, dass sie ähnliche Gedanken und Sorgen haben wie ich. Unter den Texten gab es manchmal auch ganz spannende Diskussionen. Einige ältere Leute meinten, unsere Generation müsse sich mal ein bisschen zusammenreißen.

 

Was hast du studiert und wie lange bist du jetzt arbeitslos?

Ich habe Politik- und Kommunikationswissenschaften im Bachelor studiert und dann einen internationalen Master in Global Studies gemacht. Jetzt bin ich seit zwei Monaten arbeitslos, also seitdem ich die Masterarbeit abgegeben habe.

 

Zwei Monate klingt aber jetzt erst mal nicht so lange.

Die Leute vom Jobcenter haben zu mir gesagt, dass vier bis sechs Monate Arbeitssuche nach dem Studium völlig normal sind. Aber obwohl es so normal ist, fühlt es sich ziemlich frustrierend an. Ich habe es mir zu Beginn des Studiums viel einfacher vorgestellt, einen Job zu finden.

 

Pratheek verlässt sich nicht nur auf sein Studium. Der VWL-Student macht lieber seine eigene Bar auf. Dabei ist sein Traumjob ein ganz anderer: Pratheek will Chef der Europäischen Zentralbank werden.

 


 
Dein Master ist sehr renommiert, es gab 80 Studienplätze für 1000 Bewerber, du konntest dich gegen sehr viele andere durchsetzen. Was ist so schwierig an der jetzigen Jobsuche?

Bislang hatte ich vier Vorstellungsgespräche. Bei fast allen Gesprächen war die erste Frage: „Was haben Sie denn bisher schon gemacht?“ Das heißt, meine Ausbildung an der Uni finden die Arbeitgeber gar nicht so wichtig, die interessieren sich in erster Linie für die Praxiserfahrung. Man steht also da mit seinem Masterabschluss und fragt sich: Was kann ich eigentlich? Ich kann, wie es immer so schön heißt, „komplexe Sachverhalte analysieren.“ Nur bringt mir das gerade nichts.

 

Wie viele Bewerbungen hast du bisher verschickt?

Ich habe 50 Bewerbungen verschickt. Etwa ein Drittel der Arbeitgeber haben sich zurückgemeldet, von den übrigen habe ich gar nichts gehört.

 

Was wäre dein Traumjob?

Ich würde gerne im Bereich der „Politischen Analyse“ arbeiten. Ich finde Deutschland gut, aber ich finde, einige Dinge können noch besser werden und dabei würde ich gerne helfen.

 

Lieber das studieren, was Spaß macht oder das, was mehr Geld bringt? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, finden auch die Studenten in München.

 


 
Wie sieht es denn bei deinen Kommilitonen aus? Haben die einen Job gefunden?

Nee, einen richtigen Job hat niemand. Ein paar Leute kellern oder machen irgendwelche Wohltätigkeitsgeschichten im Ausland. Deshalb finde ich auch dieses Generation-Y-Gerede von den Medien immer so anstrengend. Du kannst nur Ansprüche haben, wenn du eine gewisse Sicherheit hast und in der Realität haben die viele junge Menschen eben nicht.

 

Was glaubst, woran liegen deine Probleme bei der Jobsuche? War es ein Fehler, etwas Geistes- bzw. Sozialwissenschaftliches zu studieren?

Klar, als Ingenieurin oder ITlerin würde ich vermutlich schneller einen Job finden. Aber ich bereue mein Studium überhaupt nicht. Ich habe in unterschiedlichen Ländern studiert und viele tolle Erfahrungen gesammelt. Ich weiß, dass ich in absehbarer Zeit nicht reich werde, aber das war auch nie mein Ziel. Ich glaube, das Problem ist eher, dass wir heute sehr beschleunigt studieren, ohne überdenken zu können, ob das Studium wirklich zu einem passt und was danach kommt. Und dann bist du plötzlich fertig und erlebst den Moment des großen Nichts.

 

Wie hast du dich seit deinem Studienende verändert?

Ich glaube, ich bin realistischer geworden und strategischer. Außerdem bin ich offener für Hilfe und Tipps von anderen geworden. Am Anfang deines Studiums bist du so übermotiviert und glaubst, du kannst alles schaffen. Jetzt bin ich auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

 

Gibt es etwas, was du anders machen würdest, wenn du noch mal studieren würdest?

Ich glaube, ich würde leichter einen Job finden, wenn ich mir neben dem Masterstudiengang noch einen Studentenjob gesucht hätte. Drei Praktika reichen anscheinend nicht aus.

 

Wenn du einen Job findest, ist deine Kolumne dann vorbei?

Ich habe noch ein paar Sachen, die ich unbedingt zu dem Thema posten will. Auch wenn ich eine Arbeit gefunden habe. Aber langfristig: Ja.

 

Veronica finanziert sich ihr Medizinstudium mit Modeljobs. Und das passt manchmal gar nicht zusammen:

 


 
Für viele ist Modeln ein Traumjob, für Veronica nur eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen.

 

 

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Campus Magazin: Berufswahl – Selbstverwirklichung oder dickes Gehalt?

PULS, Die Frage: Neuer Beruf – Bessere Leben?

Zeitjung: Nach dem Studium – Mach doch, was du willst

Campus Magazin: „Mach, was du willst! Und nicht, was der Markt von dir erwartet“

PULS: Uni-Zulassung – Warum nicht jeder das studieren darf, was er will

Zeitjung: Lost in Perfection – Alles für den Lebenslauf

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PULS, Die Frage: Lohnt es sich für mich zu studieren?

Zeitjung: Bachelor fertig und was jetzt?

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Studieren mit Kind

„Trinken Sie erstmal ein Bier“

 

Elena aus „Hey Uni“ studiert mit Kind. Viele Studierende können sich das gar nicht vorstellen. Martha Hopper vom Familienservice der Uni Regensburg erklärt uns, wie man die Uni auch mit Baby im Schlepptau gewuppt kriegt.

 


Angenommen ich erfahre, dass ich mitten im Studium überraschend Vater werde: Was raten Sie mir?

Martha Hopper: Zuerst gratuliere ich Ihnen und rate Ihnen, einfach mal tief durchzuatmen. Vielleicht gehen Sie erst mal mit den Kommilitonen ein Bier trinken. Auf alle Fälle aber sollten Sie weiter studieren! Ich informiere Sie dann darüber, wie die Uni Ihnen dabei helfen kann. Viele Studenten, die zu mir in die Sprechstunde kommen, erwarten einfach eine Vergewisserung, ob das überhaupt geht, studieren mit Kind.

 

Und Sie sagen, das geht?

Genau!

 

Das stelle ich mir aber relativ schwierig vor. Was mache ich zum Beispiel mit dem Kind, wenn ich in die Vorlesung oder ins Seminar muss? Kann ich es da einfach mitnehmen?

Das können Sie schon, aber ich glaube nicht, dass Sie sich dann gut konzentrieren können. Die deutschen Universitäten haben aber mittlerweile ein ganz gut ausgebautes Angebot an Kindergärten, Kinderkrippen oder stundenweiser Betreuung. Wir haben bei uns an der Uni außerdem zwei Eltern-Kind-Büros, ein separates Kinderspielzimmer und acht Wickel- und Stillräume, auf dem ganzen Campus verteilt. Es gibt außerdem die Möglichkeit, sich für zwei, drei oder vier Semester beurlauben zu lassen.

 

So ein Kind ist aber ja auch ziemlich teuer und Studierende oft nicht gerade reich. Wie geht man denn damit um?

Erfreulicherweise gibt es in Deutschland doch viele finanzielle Unterstützungen für Studierende. Zum Beispiel gibt es beim Bafög einen eigenen Kinderbetreuungszuschlag. Betreuungskosten werden auch vom Staat übernommen oder von Stiftungen und Stipendien. Also, es ist sicher nicht viel, aber oft reicht es.

 

Und wie ist das mit der Wohnsituation? Klassisches Wohnheim fällt wohl eher flach, oder?
Es gibt zwar Studentenwohnheime, in die man auch mit Kind einziehen kann, aber die meisten Studierenden mit Kind leben in einer Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt, die leider in Städten wie Regensburg oder München sehr teuer sind.

 

Ist die Abbrecherquote bei Studierenden mit Kind höher als bei kinderlosen Kommilitonen?

Dazu habe ich keine offiziellen Studien gefunden. In einigen Fächern ist es so, dass diese Studierenden das Studienfach oder auch den Studienort wechseln, zum Beispiel, damit beide Eltern an derselben Uni studieren können oder auch, weil sie zu einem Fach wie Lehramt wechseln, wo sich Familie und Beruf leichter vereinbaren lassen als bei anderen Studiengängen. Von daher sind diese Zahlen schwer zu erfassen.

 

Werden denn Lehrerinnen zum Beispiel eher schwanger als Juristinnen oder BWLerinnen?

Ich kann aus meiner Praxis schon bestätigen, dass in Geisteswissenschaften oder in den erziehungswissenschaftlichen Studienfächern mehr Studierende mit Kind studieren, als jetzt zum Beispiel in Jura oder BWL.

 

Elena von „HEY UNI“ studiert mit Kind. Für die meisten anderen Studenten an der LMU in München wäre das unvorstellbar, wie sie uns erzählt haben.

 


Wir haben ein paar Studenten gefragt „Könnt ihr euch das vorstellen, während der Unizeit ein Kind zu kriegen?“ und die meisten meinten „Oh Gott, niemals!“ Wie viele der Studenten in Ihrer Beratung haben sich denn bewusst für ein Kind entschieden?

Zu mir kommen manchmal Paare mit Kinderwunsch, die fragen, wie sie das am besten machen können während der Unizeit. Ich selbst frage die Studierenden nicht, ob das Kind ein Wunschkind ist. Die Frage ist zu intim. Die meisten finden es aber einfach in Ordnung, dass da jetzt ein Kind unterwegs ist. Die großen, die bedeutenden Veränderungen im Leben kommen oft unerwartet und ungeplant. Wir Menschen wachsen mit den Anforderungen.

 

Wie viele Studierende mit Kind gibt es denn bei Ihnen an der Uni?

Wir schätzen, dass es von 20.000 Studierenden 600 bis 700 studentische Eltern am Campus der Universität Regensburg sind.

 

Sitzen bei Ihnen in der Sprechstunde genauso viele Frauen wie Männer?

Ich würde sagen, es sind ein paar mehr Frauen, die zu mir kommen, aber sehr, sehr viele kommen auch als Paar zu mir in die Sprechstunde oder auch Väter alleine. Es freut mich, dass auch zunehmend Männer dieses Angebot in Anspruch nehmen.

 

Wenn Sie sich an Ihre eigene Studienzeit zurückerinnern, wie hat sich die Situation für Studierende mit Kind verändert?

Früher war es viel selbstverständlicher, die Kinder mit an die Uni zu nehmen. Die Mamas und Papas haben sich gegenseitig in der Kinderbetreuung sehr stark unterstützt. Das ist heute nicht mehr so. Außerdem war die Prüfungsbelastung in Zeiten von Magisterstudiengängen geringer, die Studierenden konnten sich mehr Zeit lassen.

 

Klingt danach, als ob es damals einfacher gewesen wäre.

Nun ja, heute sind dafür Kindergärten oder Kinderkrippen am Campus oder in Uninähe selbstverständlich, Familienservicestellen gibt es mittlerweile an fast allen Universitäten. Das offizielle Angebot ist also sehr viel besser als früher. Nichtsdestotrotz ist deutschlandweit die Anzahl der Studierenden mit Kind ein bisschen zurückgegangen.

 

Was halten Sie denn persönlich für den besten Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen?

Ich würde sagen, wenn Frauen und Männer den Wunsch haben, Kinder zu bekommen, dann ist das der richtige Zeitpunkt. Und der Rest fügt sich.

 

 

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