Studieren mit Kind

„Trinken Sie erstmal ein Bier“

 

Elena aus „Hey Uni“ studiert mit Kind. Viele Studierende können sich das gar nicht vorstellen. Martha Hopper vom Familienservice der Uni Regensburg erklärt uns, wie man die Uni auch mit Baby im Schlepptau gewuppt kriegt.

 


Angenommen ich erfahre, dass ich mitten im Studium überraschend Vater werde: Was raten Sie mir?

Martha Hopper: Zuerst gratuliere ich Ihnen und rate Ihnen, einfach mal tief durchzuatmen. Vielleicht gehen Sie erst mal mit den Kommilitonen ein Bier trinken. Auf alle Fälle aber sollten Sie weiter studieren! Ich informiere Sie dann darüber, wie die Uni Ihnen dabei helfen kann. Viele Studenten, die zu mir in die Sprechstunde kommen, erwarten einfach eine Vergewisserung, ob das überhaupt geht, studieren mit Kind.

 

Und Sie sagen, das geht?

Genau!

 

Das stelle ich mir aber relativ schwierig vor. Was mache ich zum Beispiel mit dem Kind, wenn ich in die Vorlesung oder ins Seminar muss? Kann ich es da einfach mitnehmen?

Das können Sie schon, aber ich glaube nicht, dass Sie sich dann gut konzentrieren können. Die deutschen Universitäten haben aber mittlerweile ein ganz gut ausgebautes Angebot an Kindergärten, Kinderkrippen oder stundenweiser Betreuung. Wir haben bei uns an der Uni außerdem zwei Eltern-Kind-Büros, ein separates Kinderspielzimmer und acht Wickel- und Stillräume, auf dem ganzen Campus verteilt. Es gibt außerdem die Möglichkeit, sich für zwei, drei oder vier Semester beurlauben zu lassen.

 

So ein Kind ist aber ja auch ziemlich teuer und Studierende oft nicht gerade reich. Wie geht man denn damit um?

Erfreulicherweise gibt es in Deutschland doch viele finanzielle Unterstützungen für Studierende. Zum Beispiel gibt es beim Bafög einen eigenen Kinderbetreuungszuschlag. Betreuungskosten werden auch vom Staat übernommen oder von Stiftungen und Stipendien. Also, es ist sicher nicht viel, aber oft reicht es.

 

Und wie ist das mit der Wohnsituation? Klassisches Wohnheim fällt wohl eher flach, oder?
Es gibt zwar Studentenwohnheime, in die man auch mit Kind einziehen kann, aber die meisten Studierenden mit Kind leben in einer Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt, die leider in Städten wie Regensburg oder München sehr teuer sind.

 

Ist die Abbrecherquote bei Studierenden mit Kind höher als bei kinderlosen Kommilitonen?

Dazu habe ich keine offiziellen Studien gefunden. In einigen Fächern ist es so, dass diese Studierenden das Studienfach oder auch den Studienort wechseln, zum Beispiel, damit beide Eltern an derselben Uni studieren können oder auch, weil sie zu einem Fach wie Lehramt wechseln, wo sich Familie und Beruf leichter vereinbaren lassen als bei anderen Studiengängen. Von daher sind diese Zahlen schwer zu erfassen.

 

Werden denn Lehrerinnen zum Beispiel eher schwanger als Juristinnen oder BWLerinnen?

Ich kann aus meiner Praxis schon bestätigen, dass in Geisteswissenschaften oder in den erziehungswissenschaftlichen Studienfächern mehr Studierende mit Kind studieren, als jetzt zum Beispiel in Jura oder BWL.

 

Elena von „HEY UNI“ studiert mit Kind. Für die meisten anderen Studenten an der LMU in München wäre das unvorstellbar, wie sie uns erzählt haben.

 


Wir haben ein paar Studenten gefragt „Könnt ihr euch das vorstellen, während der Unizeit ein Kind zu kriegen?“ und die meisten meinten „Oh Gott, niemals!“ Wie viele der Studenten in Ihrer Beratung haben sich denn bewusst für ein Kind entschieden?

Zu mir kommen manchmal Paare mit Kinderwunsch, die fragen, wie sie das am besten machen können während der Unizeit. Ich selbst frage die Studierenden nicht, ob das Kind ein Wunschkind ist. Die Frage ist zu intim. Die meisten finden es aber einfach in Ordnung, dass da jetzt ein Kind unterwegs ist. Die großen, die bedeutenden Veränderungen im Leben kommen oft unerwartet und ungeplant. Wir Menschen wachsen mit den Anforderungen.

 

Wie viele Studierende mit Kind gibt es denn bei Ihnen an der Uni?

Wir schätzen, dass es von 20.000 Studierenden 600 bis 700 studentische Eltern am Campus der Universität Regensburg sind.

 

Sitzen bei Ihnen in der Sprechstunde genauso viele Frauen wie Männer?

Ich würde sagen, es sind ein paar mehr Frauen, die zu mir kommen, aber sehr, sehr viele kommen auch als Paar zu mir in die Sprechstunde oder auch Väter alleine. Es freut mich, dass auch zunehmend Männer dieses Angebot in Anspruch nehmen.

 

Wenn Sie sich an Ihre eigene Studienzeit zurückerinnern, wie hat sich die Situation für Studierende mit Kind verändert?

Früher war es viel selbstverständlicher, die Kinder mit an die Uni zu nehmen. Die Mamas und Papas haben sich gegenseitig in der Kinderbetreuung sehr stark unterstützt. Das ist heute nicht mehr so. Außerdem war die Prüfungsbelastung in Zeiten von Magisterstudiengängen geringer, die Studierenden konnten sich mehr Zeit lassen.

 

Klingt danach, als ob es damals einfacher gewesen wäre.

Nun ja, heute sind dafür Kindergärten oder Kinderkrippen am Campus oder in Uninähe selbstverständlich, Familienservicestellen gibt es mittlerweile an fast allen Universitäten. Das offizielle Angebot ist also sehr viel besser als früher. Nichtsdestotrotz ist deutschlandweit die Anzahl der Studierenden mit Kind ein bisschen zurückgegangen.

 

Was halten Sie denn persönlich für den besten Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen?

Ich würde sagen, wenn Frauen und Männer den Wunsch haben, Kinder zu bekommen, dann ist das der richtige Zeitpunkt. Und der Rest fügt sich.

 

 

Linktipps

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