Vegan an der Uni

„Veganes Essen ist in der Regel ein suppiger Eintopf“

 

Hey Uni-Student Luca ernährt sich vegan und ist in seiner ersten Uniwoche ziemlich abgeschreckt von der Mensa. Viel Fleisch, kaum Alternativen. Dabei sind viele deutsche Unis gerade dabei, ihr Angebot umzustellen.

 

„Gerichte mit Fleisch sind der Standard und das vegane Essen besteht in der Regel aus irgendeiner Form von suppigem Eintopf“, findet Kunstpädagogik-Student Luca.  „Leider merkt man, dass die, die das vegane Essen machen, nicht viel Ahnung von veganem Essen haben.“
 

 

Rieke Petter von der Albert-Schweitzer-Stiftung kennt solche und ähnliche Beschwerden von veganen oder vegetarischen Studierenden. Die Stiftung setzt sich gegen Massentierhaltung ein und unterstützt Mensen dabei, tierfreundlicher zu werden. Inzwischen arbeitet sie mit mehr als 40 deutschen Studentenwerken zusammen. Denn die merken, dass immer mehr ihrer Kunden sich für fleischfreie Ernährung interessieren. „Laut einer Studie der Uni Jena sind Vegetarier häufig weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und leben in der Großstadt. Studierende sind überdurchschnittlich offen für Tierschutz und Tierrechtsthemen“, erklärt Rieke Petter. Dass die Mensen darauf reagieren lässt sich auch daran erkennen, dass inzwischen über 100 deutsche Mensen keine Eier oder Eiprodukte mehr von Hennen in Käfighaltung beziehen.

Problem für die Studentenwerke: Entgegen anders lautender Mythen ist veganes Essen für die Mensen in der Regel teurer als Studentenfutter aus Fleisch oder Milchprodukten. Das liegt daran, dass vegane Fleischersatzprodukte häufig mehr kosten als die tierischen Originale. Tofu, Seitan, Falafel und Gerichte mit viel frischem Gemüse gehören zu den Mensa-Mahlzeiten aus der höchsten Preiskategorie.

Auch Luca macht im Alltag die Erfahrung, dass tierfrei nicht preiswert bedeutet:  „Vegan leben ist ein gewisses Privileg, weil sich nicht jeder Tofu leisten kann. Ich hätte auch keine Lust, mich nur von Kartoffeln und Nudeln zu ernähren.“ Im Gegensatz zu Sojaprodukten werden Fleisch- und Milchindustrie in Deutschland stark subventioniert. Luca empfiehlt studentischen Veganern Gemüseküche und Reispfannen, die Albert-Schweitzer-Stiftung rät in ihrem Vegan-Leitfaden für Mensen zu Gerichten mit texturiertem Sojaprotein wie zum Beispiel Soja-Bolognese oder -Geschnetzeltes.

Luca bekocht sich mittlerweile oft selbst, am Anfang seiner veganen Ernährung war er aber relativ ratlos: „Unsere Gesellschaft isst immer schon Fleisch, deshalb kennt auch jeder Zubereitungsarten für Fleisch, aber wie man mit Tofu umgeht, wissen die wenigsten.“ Das gilt auch für die Mensa-Köche, weswegen die Albert-Schweitzer-Stiftung inzwischen Kochschulungen für die Studentenwerke anbietet. Luca behilft sich mit Rezepten aus Facebookgruppen  und aus dem Blog „Veganguerilla“.

 

Wer bei veganem Essen immer nur an Salat denkt, liegt nämlich definitiv falsch. Wir haben euch die besten Rezepte von „Veganguerilla“ zusammengestellt, mit denen ihr lecker durch den Tag kommt.

 

 

Es gibt aber natürlich viele Studenten, die gerne Fleisch und tierische Produkte konsumieren. Dementsprechend gab es auch einige Beschwerden, als die Mensen in Deutschland vor ein paar Jahren begannen, „Veggie Days“ einzuführen, also spezielle Tage an denen alle Gerichte vegan oder vegetarisch zubereitet wurden.

„Das Konzept des Veggie Days beinhaltet das Problem, dass sich die Studierenden bevormundet fühlen, wenn man ihnen ein veganes Menü vorsetzt und keine Wahlmöglichkeiten lässt“, so Petter. Also versuchen die Studentenwerke jetzt eher, die Mensa-Gänger frei wählen zu lassen, indem sie regelmäßig vegane und vegetarische Gerichte anbieten, die Fleischgerichte aber nicht von der Karte streichen. Auch Luca hält wenig davon, andere zum veganen Leben zu zwingen. „Als ich Veganer wurde, habe ich am Anfang eine militante Phase durchgemacht und es zum Beispiel abfällig kommentiert, wenn Leute Fleisch gegessen haben. Heute ist das anders. Mittlerweile rede ich nicht ständig darüber, sondern esse automatisch vegan, ohne viel darüber nachzudenken.“

 

Die Mensen an den Unis sind bei Studenten nicht sonderlich beliebt, egal, ob sie Fleisch essen oder nicht. Für Veganer und Vegetarier wirds besonders ärgerlich. Sie können oft nur die Beilagen essen.
 

 
In Großstädten ist die Chance auf veganes Essen übrigens größer als in kleineren Unistädten. Manche Studentenwerke haben auch eigene vegetarische Mensen, so gibt es in Berlin zum Beispiel das „Veggie Nº 1“ oder in Nürnberg die „St. Paul Veggie Zone“, die im vergangenen Jahr von der Organisation PETA zur veganfreundlichsten Mensa Deutschlands gewählt wurde. Wenn es gut läuft für die Veganer in  deutschen Mensen, landen Gerichte wie „Gebratener Sellerie mit Zimt auf gekräuterten Steinchampignons im Basmati-Reisrand“ oder „Möhren-Curry auf grünem Zuckerschotenpüree mit Sesam“ auf ihren Tellern. Aber es geht auch ein paar Nummern einfacher: Zu den beliebtesten veganen Gerichten unter Studenten gehören laut der Umfrage unter den Studentenwerken Sojabolognese und Chili sin Carne.
Solange solche Gerichte noch nicht flächendeckend angeboten werden, gibt die Albert-Schweitzer-Stiftung weiter Kochkurse für Mensa-Köche. Und Luca bekocht sich selbst. Außer, wenn er zu spät dran ist, dann huscht er schnell im Falafel-Laden vorbei.

 

Linktipps

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Kontrovers: Überproduktion – Fleisch für die Tonne

PULS: Fleischatlas 2014 – Leben um zu sterben

Quer: Beckstage – „Ich find Billigfleisch super“

PULS: Ernährung in der Zukunft

Campus Magazin: Bloß kein Mangel – Ernährungstipps für Veganer

Zeitjung: Das Studium und der Kampf mit den Kilos

Campus Magazin: Campus Cooking – Wenn der Starkoch in der Uni auftischt